Iron Scout 2005

Alle Jahre wieder


Was treibt einen Menschen dazu, auf den Mond zu fliegen, den Atlantik alleine in einem Segelboot zu überqueren, den Mount Everest zu besteigen oder jedes Jahr beim Iron Scout anzutreten?
Beim Iron Scout verhält es sich selbstverständlich anders als beim Mond, dem Atlantik oder dem Mount „WieAuchImmer“. Fliegen, segeln und klettern darf schließlich jeder, aber zum Iron Scout dürfen nur Ranger und Rover.

Auch in diesem Jahr hatte sich, nach langem hin und her, ein Stamm gefunden, der die Organisation übernahm. Der Austragungsort war zum ersten Mal nicht in Baden-Württemberg, sondern in Hessen und zwar in Seeheim beim Stamm St. Bonifatius. Termin 01. bis 03. Oktober 05.

Beim R/R-Treffen wurde die Frage gestellt: „Wer geht dieses Jahr mit?“. Das erste Echo auf diese Frage ist immer sehr wechselhaft. Die Palette reicht vom Schweigen bis zu wilden Begeisterungsstürmen. Derjenige, der diese Frage stellt, ist traditionsgemäß auch gleich der Organisator für unseren Stamm.

Also Liste anlegen: „Wer fährt, resp. geht mit, T-Shirt Größe, Sweatshirt und/oder Kappe, wenn vorhanden?“.

Wird etwas derart konkret, werden R/R’s schnell „unkonkret“. Gibt es allerdings erstmal die Liste mit den T-Shirt-Größen, wird angemeldet, gegen Vorkasse versteht sich. Wer dann zu guter Letzt dabei ist, zeigt sich bei der Abfahrt. Nur auf die Fahrer und deren Autos muss man sich verlassen können.

Die diesjährige Überraschung war „kein Bonzai“ aber dafür Basti und Alex vom VCP. Somit hieß unsere aktuelle Besetzung: „Regina, Anun, Anilo, Shusu, Tobes, Li, Basti, Alex und ich. Genug Platz in den Wagen war vorhanden allerdings hieß „kein Bonzai“ automatisch auch „kein Essen“. Einzig Anilo und ich hatten, voraus denkend, unser Essen dabei. Shusu, als Organisator, übernahm sofort die Aufgabe und fuhr mit Li, Alex und Basti zur Famila während Regina, Anun, Anilo und ich bereits Richtung Hessen rollten.

Auf 16:15 Uhr war unsere Startzeit gelegt, aber auch diesen Termin warfen wir mit Leichtigkeit über den Haufen und starteten gegen 17:45 Uhr. Das Wetter war seit unserer Abfahrt in Waldshut bis zu unserem Start in Seeheim konstant geblieben. Es regnete! Aus heutiger Sicht sollte ich sagen: „es regnete leicht“.

Die Organisatoren brachten uns nach einem ausgeklügelten Plan so auf den Rundkurs, dass wir möglichst vielen anderen Gruppen begegnen sollten. Also, auf zum ersten Posten. Der Weg war gut an Hand der Karte auszumachen und es gelang uns, die Gruppe vor uns zu überholen.

Der erste Posten war ein Unterstand an dem wir mit Tee und Kaffee empfangen wurden, was wir sofort zur zweiten Essenspause nutzten (die erste Pause hatten wir noch vor dem Start auf dem Parkplatz gehabt). Das Wetter war gnädig und der Regen hörte auf. Gestärkt und ohne Regen nahmen wir die erste Aufgabe in Angriff. Vier Leute wurden für diese Aufgabe benötigt und wir hatten vier „Neulinge“ im Team. Als Südseeschiffbrüchige machte sich unsere „Frischen“ super. Sie brachten sich alle auf der Insel in Sicherheit und retteten noch die zwei Proviantkisten. Nur Anun stürzte im Eifer des Spieles ins „Wasser“ und musste mit Hilfe eines Schwimmflügelchens von der Spielleitung gerettet werden. Nach getaner Arbeit noch einen Schluck warmen Kaffee und die Übernahme des nächsten Postens auf unserer Karte.

Nachdem wir Karte und Gelände in Augenschein genommen hatten war klar, dass wir über den Berg müssen oder ihn umgehen. Da der Boden durch den Regen bereits völlig aufgeweicht war und es zu allem Überfluss wieder anfing zu regnen, fiel die Entscheidung leicht. Also setzten wir zur Umkreisung des Berges an. Der Regen wurde stärker. Auf halben Weg zurück nach Seeheim entdeckten Shusu und Basti einen Waldweg „den wir nehmen können und der abkürzt“. Gesagt, getan, über die Straße und rein in den Wald. Der Weg bekam Steigung und der Regen Steigerung.

Es hatte etwas Mathematisches!„Die Steigung verhält sich zum Weg wie die Niederschlagsmenge zum Regen“ – proportional, versteht sich!
Als wir nach längerer Zeit und jeder Menge Wasser die zweite Schutzhütte passierten, mussten wir einsehen, dass wir den landschaftlich sehr schönen und mit fantastischen Aussichtspunkten versehenen Rundwanderweg erwischt hatten. Die Dunkelheit, der Regen und der Nebel ließen maximal 3 Meter Sicht zu und so hatten wir die Abbiegung übersehen. Es versteht sich von selbst, dass wir sowohl die landschaftliche Schönheit, als auch die Aussichtspunkte übersehen mussten.

Die Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht. Als der Weg allerdings von Steigung zu Gefälle wechselte, Shusu eine Wanderwegkreuzung entdeckte und wir wieder auf Kurs waren, wurde, trotz des verlässlichen Regens, wieder gesungen. Der absolute Höhepunkt war die Mitteilung eines jungen Mannes in grauen Hemd: „Geht erstmal in die Taverne“! Assoziationen wie „Trockenheit“, „Freunde“, „Wärme“, „Essen“, „Trinken“ und noch vieles mehr, kamen zum Vorschein. Bis auf den Wunsch nach Trockenheit traf alles zu. Wir zogen soviel wie möglich aus, darauf Bedacht, nicht ins Unschickliche zu geraten.

Die nassen Sachen wurden ausgebreitet, wir bekamen warmen Tee und wir begannen, na ja, zu essen. Es war klar, auf „Schloss Alsbach“ wird übernachtet und wenn es sein muss, auf Bierbänken, Hauptsache kein Regen mehr. Als Dank für die Gastfreundschaft spielten Anun und ich abwechselnd Gitarre. Wir bekamen sogar einen Schlafplatz. Zwar draußen, im Burgtor, aber überdacht und das Tollste, es war sternenklarer Himmel. Alles schien den Umständen entsprechend perfekt, bis Anun seinen Rücksack aufmachte. Isomatte vergessen, Schlafsack nass. Jeder von uns hatte einen Wasserschaden, aber Anun hatte es am übelsten erwischt. Dennoch, unter dem Torbogen lagen Regina, Anun, Anilo, Alex und ich. Shusu, Li, Tobes und Basti waren in der Taverne geblieben.

Die Nacht war trocken und warm, ausgenommen Anun’s und sie war nicht so ruhig wie wir uns das gewünscht hätten. Nun gut, ich bin nicht nachtragend (ein dickes Kreuz bei Basti und Tobes machen).
Um 7:00 Uhr war Wecken und es war kalt, aber kein Regen! Rucksack auf und die trockensten Sachen für den Weitermarsch suchen und anziehen. Spätestens jetzt war mir klar: „bei dem Regen loszugehen war ein Fehler“! Es folgten die Katzenwäsche inkl. Zähne putzen mit kaltem Wasser (oh Gott) und anschließend das Frühstück.

Ohne Frühstück wird keine Aufgabe gelöst! Danach dann „Armbrust schießen“, „Speer werfen“ und eine „Leiter bauen“. Mit eben dieser Leiter (zwei große Latten, vier kleine Latten und jede Menge Seil) musste dann noch die ganze Gruppe eine Mauer überqueren. Trotz 3 Ü100 Mitgliedern wurde auch diese Aufgabe meisterlich bewältigt. Danach wurde die Leiter von uns wieder zerlegt und alle weiteren Posten auf unsere Karte übertragen. Ab jetzt konnten wir den weiteren Weg selbst bestimmen und die Wahl war schnell getroffen.

Auf dem Weg vom Schloss nach Hähnlein trafen wir auf eine nette Gaststätte mit Kaffee aus Bohnen und einem WC aus Porzellan. Beidem wurde die nötige Aufmerksamkeit zuteil. Der nächste Posten war problemlos zu finden, der Weg war angenehm und, was das Wichtigste war, es war trocken. Hier wurden wir mit Tee, Kaffee und heißer Brühe empfangen. Nach dem ersten „Hallo“ und den Erklärungen wo wir bereits waren, wurde gegessen. Es war schließlich Mittagszeit. Danach dann der Weg in das Dschungelcamp. Erste Station „Das Dschungelrestaurant“. Hier wurden zwei Freiwillige gebraucht und ohne jede Nachfrage waren Alex und Tobes sofort am Tisch. Alex qualifizierte sich auf Grund der Tatsache, dass er alles probiert. Für Tobes galt, wer längere Zeit in Japan mit Japanern gegessen hat, den kann nichts mehr erschüttern.

Jeder wählte sein Menü und beiden wurde umgehend die Vorspeise serviert. Es gab „einen Esslöffel Mehl“. Beide hatten schwer daran zu schlucken und bei jeder Bemerkung gab es Staubwölkchen, aber es gelang doch. Danach wurde, passend zur ersten Vorspeise, ein Mehlwurm serviert. Den Gegebenheiten entsprechend echt und lebend. Ohne zu zögern nahmen beide ihren Wurm und „Weg“! Erstaunlich, selbst die Blicke der beiden Spielleiterinnen zeigten eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Ekel.
Im Anschluss gab es, der Bestellung folgend, für Alex eine Knoblauchzehe und für Tobes eine Pepperoni. Beides verschwand mit der gleichen Routine und Gelassenheit wie der Wurm. Als Tobes dann anfing die Garnierung zu essen, beeilten sich die beiden Mädels das Gläschen Essig, Spätlese 2004, zu servieren. Beide spülten den Essig in einem Zug runter und aßen, zum großen Erstaunen aller, die Zitronenscheibe inklusive Schale gleich hinterher. Es gab volle Punktzahl plus Bonuspunkte.

Die „Wand des Grauens“ war sofort Shusu’s Sache. Er fischte in den Löchern nach Sternen, konnte aber wegen der „Handvoll Maden“ und dem „Rollmops mit Gurke“ nicht die volle Punktzahl erreichen. Das „Dschungelrätsel“ wurde dann in Teamarbeit und ohne jeden Fehler gelöst. Das Dschungelcamp war somit eine echte Sternstunde.

Nach einer angemessenen Pause schauten wir uns die nächste Aufgabe an. Hier wurde der Schumi-Instinkt gefordert. Ein Gruppenmitglied kletterte in die Mitte eines aufgepumpten Schlepperschlauch und musste so von den restlichen Mitgliedern über einen Parcours gerollt werden.

Vor uns machte sich eine Gruppe startklar und ab ging die Fahrt. Sie legten ein Höllentempo vor und waren so schnell, dass der Schlauch vor allen anderen die erste Kurve erreichte und unbeirrt seine Richtung beibehielt. Soweit lustig, aber als Schlauch und Fahrgast hinter der verpassten Kurve verschwanden rannten alle Anwesenden los. An der Kurve angekommen, bot sich uns folgendes Bild: ein Hang ca. 3 Meter tief, im Anschluss ein Feldweg, gefolgt von einem Maisfeld, alles natürlich mit Wurzeln und Gräben.

Der Schlauch war durch die Kurve, hatte auf dem Hang Fahrt aufgenommen, war ungebremst über alle Wurzeln und den Graben gesprungen, hatte den Weg gekreuzt und dann eine ca. 4 Meter lange Schneise in das Maisfeld geschlagen, bevor er umfiel und liegen blieb. Diesem Beispiel folgend blieb auch der „Fahrer“ liegen. Er hob nur die Hand und rief: „nichts passiert“.

Ein schwergewichtiges Dreigestirn versucht anschließend sein Glück, scheiterte aber bereits an der Start- Zielwippe und brach in ein wildes Gelächter aus. Wir wussten jetzt exakt wie es nicht geht. Erste Frage: „Wer geht in den Schlauch?“. Anilo erklärte sich bereit, den Fahrergast zu machen. Nun standen drei Schlauchgrößen zur Auswahl und wir mussten entscheiden. Die Testfahrt mit dem Größten dauerte keine Umdrehung, da Anilo schon beim Start raus fiel. Testergebnis, festhalten unmöglich. Also nahmen wir den Kleinsten, mussten Anilo allerdings in der Mitte „montieren“ aber was von allein nicht rein geht, fällt auch von alleine nicht raus. Die Fahrt verlief rasend und ohne jegliches Problem, nur Anilo konnte nach erfolgreicher Demontage aus dem Schlauch nicht mehr stehen. Er war „geschlaucht!!“

Nachdem die Nachwehen überwunden waren suchten, wir den nächsten Posten aus. Wir waren uns einig einen Punkt zu wählen, der auf dem Rückweg zum Stadion lag. Gesucht, gefunden und los ging es. Zeit hatten wir ausreichend, der Weg war eben und nicht so weit. Wir gingen los. Alles passte bis die Autobahn, die wir in östlicher Richtung überqueren mussten, westlich von uns auftauchte! Jetzt bis zur nächsten Wegkreuzung oder Brücke und dann schauen, peilen, messen!!

Wir erreichten eine Bachbrücke und sahen Hochspannungsleitungen. Auf der Karte musste das zu finden und dann unsere Position zu bestimmen sein. Jeder schaute, aber wie wir es auch drehten und wendeten, die Autobahn war falsch! Alles andere stimmte, konnte aber nicht.

Dann fiel mir ein, dass von Mannheim nach Darmstadt zwei Autobahnen parallel verlaufen. Mit dieser Erkenntnis wurde die Karte erneut studiert und dann wurde klar, wir hatten es geschafft die „Karte“ zu verlassen, einen großen Bogen zu schlagen und befanden uns jetzt „unter“ dem Logo! Und, siehe da, jetzt passte alles, selbst die Autobahn. Allerdings war der nächste Posten nur noch ein Wunsch und der Weg zurück war länger als vom letzten Posten. Den Wunsch-Posten zu erreichen, gaben wir auf dem Weg auf und konzentrierten uns auf das Stadion, da wir bereits über die Zeit waren. Wir erreichten das Ziel nicht als Letzte und die Verspätung vom Start wurde uns „angerechnet“ also kein Abzug. Letztendlich belegten wir, trotz der sehr ausgiebigen Übernachtung und den häufigen Essenspausen, den 46. Platz. Mit diesem Ergebnis sind wir zufrieden und besser als im Vorjahr. Sollten wir jemals das Verhältnis „Essen“ zu „Laufen“ umkehren und nur eine minimale Schlafpause einlegen, wir wären (nahezu) unschlagbar, aber hätten wir dann noch den selben Spaß wie bisher?

Wie dem auch sei, der nächste „Iron Scout“ kommt bestimmt. Da ich bereits jetzt zwei Newcomer kenne und der Suchteffekt bei den „alten Hasen“ nicht nachlassen wird, sollten wir nächstes Jahr zwei Gruppen melden. Eine sportliche und eine olympische. Da für mich das „dabei sein“ zählt, bin ich schon jetzt olympisch.

Wir sollten allerdings alle noch mal den Umgang mit Karte und Kompass üben, die R/R’s meine ich.

Viele Grüsse
Schnitzel