Das Bundeslager Vineta 2005

Ein kritischer Rückblick

Das diesjährige Bundeslager fand in Wolfsburg statt, vielen ist die Stadt wohl von der VW Autostätte bekannt.
Am Mittwoch, den 27.07., begann, was den meisten von uns noch lange im Gedächtnis bleibt. Unsere Anreise erfolgte per ICE. Per ICE? Ist das nicht etwas luxuriös? Ja, ist es, aber wenn man so weit im Süden lebt wie wir, ist der Anschluss an die Sonderzüge, die eigens für Vineta eingerichtet wurden, schwierig, daher hatten wir das Glück, diesen Luxus genießen zu dürfen.
Als wir nach ungefähr 7 Stunden Fahrt gegen 15.00 Uhr in Wolfsburg ankamen, stand sofort ein Shuttle Bus bereit, um den Transport in das etwas außerhalb gelegene Almcke zu sichern. Warum dieser Aufwand, wird sich nun so manch einer fragen, nun ja, das liegt daran, dass 5000 Pfadfinder, hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus 22 anderen Nationen nicht so einfach mit normalen Zügen und Linienbussen zum Endziel befördert werden können. Da ist allein die Anreise schon eine große organisatorische Leistung, die, soweit ich das mitbekommen habe, auch ganz gut funktioniert hat.

Kurze Zeit später befanden wir uns dann auf unserem Lagerplatz – allein der Weg dahin ließ einen über den riesigen Platz staunen. Wir hatten das Glück, beziehungsweise wir Anreisende hatten das Glück, dass Andrea, Schnitzel und Anilo schon drei Tage früher angereist waren, um den Materialtransport aus der Südschiene über die Bühne zu bringen. Daher stand sowohl schon ein Küchenzelt als auch die R/R Jurte. Für die drei hingegen entpuppte sich ihre frühe Anreise wohl eher als eine Pleiten-Pech-und-Pannen-Aktion, was zum einem daran lag, dass nicht genügend Leute für den Unterlageraufbau zu Verfügung standen, und unser Trio vom einem zum anderem Ort spurtete, um Zelte, Pinten und dergleichen aufzubauen, zu organisieren und herzurichten.

Was diese Märsche zudem noch erschwerte, war das Wetter: Regen, Regen, nochmals Regen und viel Wind. So viel Regen sogar, dass man den Unterschied zwischen Turnschuhen und Wanderschuhen deutlich zu spüren begann: in Turnschuhen steht einem der Matsch nur bis zu den Füßen, in Wanderschuhen allerdings mindestens knöchelhoch. Das führte dazu, dass die Wanderschuhe beiseite gelegt wurden, die Schlappen ausgepackt, Andrea geschwollene Füße hatte und Schnitzel, nun ja, wie soll man es nennen, nicht nur Schuhe 3 Nummern größer benötigt hätte, sondern auch einen Hautarzt gegen die allergischen Reaktionen am Bein.

Doch nun waren wir ja da, da muss sich die Lage wohl etwas entspannen… dachten wir zumindest. Doch zunächst ging es an den Zeltaufbau, Kothen, Doppelkothen, Fahnenmäste – eins für die Elche und ein etwas größerer (6m) fürs Unterlager – Duschkothen und ein großer Esstisch wurden aufgebaut. Das ganze ging ein wenig schleppend voran, was wohl auf die lange Fahrt zurückzuführen ist. Doch abends hatten wir dann endlich die Kothen stehen und konnten den Tag ein bisschen gemütlich ausklingen lassen. Nicht so unsere Elchlagerleitung (Hatti, Anilo, Ulba) und Schnitzel, der Technikteamleiter des Unterlagers, bei denen an diesem, wie auch an folgenden Tagen ein Meeting, die Kris, auf dem Programm stand. Nebst dessen hatte Schnitzel ohnehin nicht besonders viel Zeit, um das Lager zu genießen, denn sein Lagerplan war dermaßen voll gestopft mit Meetings und Besprechungen, dass er morgens kurz eine Tasse Kaffee trinken konnte und abends mal eben das Abendessen hinunterschlingen durfte um pünktlich zum nächsten Treffen zu hasten.

Auch Andrea hatte es nicht viel besser erwischt. Ungeachtet dessen, dass sie die Lagerküche für Elche und Yanktonai übernommen hatte, war sie auch für die Unterlagerkasse zuständig, was ihre Tage mit kochen und abrechnen füllte.

Doch kommen wir wieder zum Lagerleben, wie die etwas Jüngeren von uns es erlebt haben mochten:
Am Donnerstag hieß es noch mal aufbauen, doch nicht nur das: Ulba feierte seinen 16. Geburtstag! Jedoch war das nicht unbedingt ein Tag, für große Feiern, das lag am Programm, morgens sangen wir ihm ein Geburtstagslied und abends gab es eine Pfannkuchentorte und ein erneutes Geburtstagsständchen.

Nachmittags startete dann das Programm. Das Unterlagerteam eröffnete das Unterlager Lautari. Um alle Stämme Lautaris zum Unterlager zu versammeln, hatten sie sich auch eine recht nette Spirale ausgedacht, die allerdings aufgrund einiger Schlafmützen etwas aus dem Ruder geriet. Als wir dann alle auf dem Unterlagerplatz saßen, erfuhren wir etwas über das Fahrende Volk, die Zigeuner. Nach einer dreiviertel Stunde ging es weiter zur großen Bundeslagereröffnung. Also watschelten wir weiter, auf einen noch viel größeren Platz, auf dem 5000 Pfadfinder Platz hatten. Leider brannte uns die Sonne auf die Köpfe, die mitgebrachten Literflaschen Wasser leerten sich ohne Unterlass, sodass bald kein Schlückchen Flüssigkeit mehr unsere Kehlen herunter lief.

Vorne, neben der Bühne hatte das Bundeslagerteam einen Stamm organisiert, der emsig Lieder trällerte, die allerdings, wie auch die Stimmen der Präsentanten auf der Bühne im Gemurmel der Massen untergingen. Nach und nach wurden die Fahnen der ungefähr 20 Gastnationen gehisst. Man muss sagen, es war eine etwas langwierige Geschichte, diese Bula-Eröffnung.

Anschließend freuten wir uns, auf den Lagerplatz zurückzukehren, endlich mal auf die Dixies zu können (man vernahm schon 20 m entfernt den Geruch der Deathmile – der Dixieklomeile ), und langsam mit einem etwas gemütlicherem Stammesabend beginnen zu dürfen. Danach betten wir uns zur Ruh und genossen die wenigen Stunden Schlaf, die uns noch blieben, bis der Wecker klingelte, um den straffen Zeitplan einzuhalten: Einkaufen im Bulamarkt, Frühstück herrichten, Elchmorgenrunde beginnen, Frühstücken, Spülen, Unterlagermorgenrunde, Workshops und und und. Es nahm und nahm kein Ende. Nachdem alle Meetings beendet waren, die Küche wieder sauber war, der Lagerplatz aufgeräumt, begann ein Internationaler Abend. Was genau an diesem Internationalem Abend dran war, habe ich entweder nicht ganz mitbekommen oder vergessen. Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls gingen wir irgendwann ins Bett und standen am nächsten Morgen auch irgendwann wieder auf.

Juhu, Raustage. Es war Samstag und für Samstag und Sonntag waren Raustage angesetzt, heißt, dass die Sippen mit ihrem Sippenführer die Landschaft um Wolfsburg erkunden, sei es per Hajk, per Kanufahrt oder sonst wie. Unsere Sippen, mit Ausnahme der Black Birds, die noch von den Geschehnissen der letzten Tage etwas angeschlagen waren, gingen bis Sonntagmittag auf Hajk.

So hatten die R/R’s und Black Birds die Möglichkeit, sich etwas auszuruhen und selbst einmal das Lager zu erkunden, alte Bekanntschaften zu treffen oder einfach nur einmal duschen zu gehen.

Es verging der Samstag und ein Sonntag folgte, unsere Sippen kamen erschöpft, aber gut gelaunt wieder und wir verbrachten den Rest des Abends bei einem Stammesabend.

Doch es sollte kein gewöhnlicher Stammesabend werden: Lütte, Meggels Tochter, die uns das ganze Lager über begleitet hatte wurde zum „Ehrenwolf“ gekrönt, Lena und Lea erhielten für ihren tollen Einsatz am Stadtfest und ihre ständige Hilfsbereitschaft das WAGGGS Kleeblatt, Anun und ich versuchten Selti und Yalu die WOSM Lilie zum zweiten Mal zu überreichen…peinliche Sache und Ulba und Anilo werden diesen Abend wohl lange nicht vergessen: Denn an diesem Abend hatten die beiden ihren R/R Sprung, das heißt sie waren von nun an keine Pfadis mehr sondern gehörten jetzt der Ranger/Rover Stufe an. Wie das von Statten ging ingegen ist ein Geheimnis der Stufe.
Wir begrüßten die beiden mit Freuden in unserer Stufe ließen den Abend mit einer Singerunde ausklingen.

Klingelingelling…oh nein, schon wieder der Wecker! Das bedeutete, dass das alte Spiel von neuem los ging, einkaufen, Frühstück, Morgenrunde…. Vormittags nahmen die Sippen wieder an Workshops teil, die in vielfältigen Variationen angeboten wurden: Buchbinden, Silberschmuck, Patchwork, Rätsel und so weiter. Danach folgte eine kurze Mittagspause und letztlich eine Stammesbegegnung mit anderen Stämmen des Lagers.
Abends gingen die R/R’s und älteren Sipplinge auf Pintentour, um vom Lagerleben mal ein bisschen etwas mitzubekommen.

Die Zeit verging und es war
schon wieder morgen…
Unser zweites Geburtstagskind Lena wurde heute 12 Jahre alt. Natürlich durfte auch da eine Torte, ein Geburtstagslied und ein Carepaket von der Mama nicht fehlen!

Doch es blieb wieder nicht all zu viel Zeit um sie dem Geburtstagskind zu widmen, denn schon stand Bonzais Abreise vor der Tür. Obwohl er erst am Sonntagmittag mit mARTin angereist war, musste er uns nun am Dienstag früh wieder verlassen – die Arbeit ruft. Wir hingegen hatten nun Gelegenheit, den Lagerplatz zu verlassen. Ein Teil von uns ging in die VW Autostätte nach Wolfsburg, eine große Anlage, mit vielen verschiedenen VW’s, alten, uralten und sehr modernen. Der Rest von uns machte sich einen gemütlichen Tag im Erlebnisspaßbad (Endlich sauber!!!).

Als wir abends zurückkamen, stand auch schon ein Essen auf dem Tisch, denn Yanktonai hatte für diesen Tag die Küche übernommen und Kässpätzle und Bananenquark hergerichtet.

Am nächsten Morgen wurde es aufregend für Hatti: innerhalb der letzten Tage hatte er sich mit falschen Bestellungen, Inkompetenz und Schludrigkeit rumschlagen müssen, doch nun wurde es Ernst – das Großgeländespiel, das er übernommen hatte, stand für den ganzen Tag auf dem Programmplan.
Ich wieder einmal sagen, ich habe davon nicht viele Impressionen sammeln können, da Andrea und ich uns um die Küche gekümmert haben, aber laut Hattis Aussagen, war das Geländespiel ein voller Erfolg. Einzig ein dunkler Schatten blieb: während des Spiels gab es viele, die die Grenzen einfach nicht achteten und sich benahmen, wie die letzten Idioten.

Ohrringe wurden herausgerissen und Sipplinge wurden herumgeschubst.
Ich finde diese Art des Umgangs miteinander einfach zum Heulen! Denen hat noch keiner beigebracht, dass sie Pfadfinder sind und was Pfadfinderei bedeutet. Dass Pfadfinden eine Lebenseinstellung ist und man den Gemeinschaftssinn über die eigenen Bedürfnisse stellt. Eine traurige Geschichte, die für die Täter nicht ohne Konsequenzen blieb.

Schon wieder begann ein neuer Tag, er startete mit Workshops, einer Lagerolympiade und endete mit einem Stammesabend.
Freitags fühlte man langsam, dass Abbau in der Luft lag. Wir versuchten so viel unseres Lagerplatzes wie möglich schon zusammen zu räumen und einzupacken, denn tags drauf ging es an die Abreise und es musste alles vor Abreise der Zugreisenden verstaut sein.

Andrea, Schnitzel, Ulba, mARTin und ich blieben noch länger, um auch dem Unterlagerteam noch etwas unter die Arme zu greifen. Es war ein etwas chaotischer Abbau, doch mir wird eines immer in Erinnerung bleiben:
Die Stangen, die kürzer als 2 m waren, konnten etwa 50 m entfernt auf einem Haufen gelagert werden, diejenigen, die länger als 2 m waren, mussten über den ganzen gewaltigen Lagerplatz geschleppt werden um am Zielort gesammelt zu werden. Das Unterlagerteam Lautari wollte sich das jedoch nicht bieten lassen und organisierte einen LKW eigens für die Stangen. Das funktionierte recht gut, jedoch mussten die LKW’s ja irgendwann auch wieder zurückgebracht werden, während die Unterlagerpinte noch nicht abgebaut war.

Nun gut, kein Problem dachten wir uns, die Stangen sind schließlich nach Augenmaß nicht größer als 2 m. So trugen wir die Stangen zum Haufen. Plötzlich tauchte dort eine Gestalt der unsympathischeren Sorte auf: lange Haare, hager, forsches Gesicht und Hände, denen der Begriff Arbeit wohl fremd war.
Der sagte uns doch tatsächlich auf arroganteste Art und Weise, die Stangen seien um ungefähr 5 cm zu lang und wir müssten sie bis ganz vorne hin zu den großen tragen!
Die Grenzen waren erreicht! Wir packten die Säge aus, zersägten sie und warfen die nun wohl genehmen Stangen auf den Haufen!
Genug der Dummschwätzer, wir wollten nur fertig werden und nach Hause!

Als dann endlich alles abgebaut war, fuhren Andrea, Schnitzel und Ulba mit dem Materiallaster Richtung Heimat, mARTin und ich hingegen machten es uns in seinem etwas komfortableren Auto bequem, woraufhin ich auch schnell einschlief. Die letzten Tage waren wohl einfach etwas zu viel.
Rückblickend kann ich eigentlich nur sagen: ich kenne schönere Lager.
Die Organisatoren haben sich augenscheinlich Mühe gegeben, viele Kleinigkeiten ausgearbeitet wie eine Pressejurte, eine Bundeslagerzeitung, eine Reisejurte, eine Altpfadfindergilde haben sie ebenfalls zusammengetrommelt, die auch bemerkenswert tatkräftig bei der Sache war, sie haben viele verschiedene Abende inszeniert und einen großen Aufwand gehabt.

Aber ich muss auch sagen, dass ich einige Kritikpunkte anzubringen hätte. Zum einen der straffe Zeitplan, die Sippen hatten absolut keine Zeit, alte Bekannte wieder zu treffen, die sanitären Anlagen ließen zu wünschen übrig, manchen Leuten hat man einfach nicht beigebracht, wie man auf die Toilette zu gehen hat. Dass man sie so verlässt, wie man sie vorfindet und nicht so verschmutzt, dass man sich 3 m vorm Klo schon davor ekelt.
Die Meetings und Treffen waren irgendwie etwas chaotisch, nicht vom Inhalt her, sondern aufgrund der großen Anzahl und Pausen.
Der Markt bestellte ab einem gewissem Zeitpunkt keine Neuware mehr, um die Regale zu leeren, was dazu führte, dass man irgendwann überhaupt nichts mehr bekam, keine Wurst, kein Käse, kein Brot, kein Gar nichts.
Die Getränkehalle hatte wohl bei den Öffnungszeiten etwas missverstanden, wenn auf dem Öffnungsschild steht: ab11.30 Uhr geöffnet, heißt das nicht ab 13.00 Uhr bedienen wir Kunden!

Es hätte vieles besser laufen können und es gab auch schon Großlager (zum Beispiel: Yuchungfang vom DPSG) bei denen eben dies berücksichtigt wurde.
Das Hauptproblem lag meiner Meinung nach in der Kommunikation, zwischen Lagerleitung und Bundeslagerleitung muss bei einem Lager dieser Größe ein besserer Informationsaustausch stattfinden.
Abschließend kann ich eigentlich nur sagen, dass es trotz der ganzen Komplikationen dennoch einige schöne und auch lustige Momente gab, die man lange Zeit nicht vergessen wird. Aus Fehlern müssen wir alle lernen und wenn dies getan wird, dann darf man auf ein besseres, nächstes Mal hoffen!

In diesem Sinne,
Seid Wach!

Regina